Abflug! Mit Sonnenkraft & Luxus

In Thomasberg in der Buckligen Welt verbindet 760 Menschen eine besondere Leidenschaft. Die Leidenschaft, die schönsten Innenräume für Luxus-Jets und Yachten herzustellen, in denen Stars und Promis um die Welt fliegen. Mit höchster Präzision wird dafür in den einzelnen Fertigungsschritten gearbeitet. Die Stimmung ist konzentriert, aber nicht angespannt. Zwischen konkreten Anweisungen und einem Info-Austausch über einen neuen Produktionsprozess werden freundliche Worte miteinander gewechselt und kleine Witzeleien serviert. Alles ist durchzogen von spürbarer Motivation. „Wir haben hier ein ganz besonderes Energie-Level“, erzählt Katharina List-Nagl auf dem weitläufigen Gelände von F/LIST stolz.


Damit meint sie in erster Linie nicht die größte Photovoltaikanlage Niederösterreichs für den Eigenverbrauch, die auf den beiden Hallen-Dächern Sonnenkraft tankt. Sondern die Betriebskultur innerhalb der F/LIST-Mannschaft. „Das Leadership meines Vaters hat alle zusammengebracht. Jeden Tag, den ich mit meiner Position ausfülle, schätze ich ihn mehr dafür“, schildert List-Nagl, die das Familienunternehmen in dritter Generation führt.

 

Alte Kunst, neue Technologien & kontinuierliche Hingabe

Damit sei alles möglich – auch wenn es andere für unmöglich halten. Die Welt, in der sich F/LIST bewegt, ist abgehoben, denn das Unternehmen stellt Innenraumausstattung für Luxus-Flugzeuge, Jachten und Residenzen her. Hier gibt es nichts, das es nicht gibt. Ob hochglanzlackiertes Ziegenleder, Perlmutt in allen möglichen Variationen oder beheizte Steinböden – die Wünsche an den Luxus-Innenraumausstatter scheinen zum Teil unmöglich zu sein. Doch so abgehoben die Vorstellungen auch sein mögen – die Ausführung erfolgt in Thomasberg (Bezirk Neunkirchen) bodenständig wie eh und je. Mit dem Zusammenspiel von traditioneller Handwerkskunst, modernen Fertigungstechnologien und „größter Hingabe, die unsere Mitarbeiter an den Tag legen“, so List-Nagl.

 

Mit Luxus-Jets aus der Krise

Begonnen hat die Reise in das Luxussegment 1950, als List-Nagls Großvater das Unternehmen als kleine, klassische Tischlerei gegründet hatte. Nachdem in den 80er-Jahren zunehmend mehr Hotels zu den Kunden zählten und bald auch Interieurs für Kreuzfahrtschiffe und Jachten hergestellt wurden, kamen 2004 auch die Luftfahrtkabinen hinzu. Die Wurzel dieser Idee war eine Krise. „Wir mussten uns damals etwas überlegen, um wirtschaftlich überleben zu können, ohne Mitarbeiter kündigen zu müssen“, erzählt die Geschäftsführerin. Und da kam die Luftfahrtausstattung auf den Tisch. „Leichtbau konnten wir schon. Wir mussten nur mehr das Thema Flammschutz lernen und schon stellten wir ein Luftfahrtprodukt im Luxus-Segment her.“ Seither liefert das Familienunternehmen von Thomasberg ausgehend und mit weltweiten Niederlassungen – etwa in den USA, Brasilien oder auch den Vereinigten Arabischen Emiraten – über 1.500 Kabinenausstattungen an renommierte Flugzeughersteller wie Bombardier, Embraer oder Pilatus.

 

Das größte Sonnenkraftwerk Niederösterreichs

Dafür braucht es Energie. Und zwar eine Menge. Also wurde investiert. In die Installation einer Bachkühlung bei Werk 2 sowie in ein Wärmerückgewinnungssystem bei den Maschinen. Und: in das größte Photovoltaik-Eigenverbrauchskraftwerk Niederösterreichs. Seit der ersten Ausbaustufe 2016 und der zweiten im Herbst 2019 wird das Unternehmen mit der Kraft der Sonne angetrieben. Auf 8.000 Quadratmetern Dachfläche werden jährlich 1.178.000 Kilowattstunden Strom produziert. Dies entspricht rund 20 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs von F/LIST und spart 565 Tonnen CO₂ ein. Zum Vergleich: Das ist so viel wie der Jahresverbrauch von 336 Einfamilienhäusern.

 

Der richtige Weg

„Nachhaltigkeit ist für uns keine Trendbewegung, sondern steht im Zentrum aller unserer Überlegungen“, betont List-Nagl und spricht ein weiteres Innovationsthema an, bei dem sich F/LIST selbst höhere Auflagen auferlegt als andere: die Oberflächentechnologie. „Wir haben Millionen investiert, um ein Lacksystem zu entwickeln, das umweltfreundlicher ist. Bis heute verdienen wir in diesem Bereich nicht das Geld, das wir vorher verdient haben. Trotzdem ist es der richtige Weg“, ist die Geschäftsführerin bestrebt, weiter an ressourcenschonenden Möglichkeiten zu arbeiten. Weiter die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens voranzutreiben. Und vor allem weiter auf die Leidenschaft der Mitarbeiter zu bauen – von den jüngsten im Unternehmen, den aktuell 53 Lehrlingen, zu jenen, die bereits jahrzehntelang hier arbeiten, bis hin zu den Entwicklern, Forschern und der Geschäftsführerin selbst. „Wenn sich die Welt ändert – das bekommen wir hin. Damit haben wir kein Problem“, sagt List-Nagl im Hinblick auf Herausforderungen und Geschäftsmodelle der Zukunft. „Aber wenn sich die Stimmung innerhalb unseres Unternehmens verändert, dann schon. Deshalb geht’s bei allem, was wir tun, um die nachhaltige Beziehung zu unseren Kunden und Mitarbeitern.“

 

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Dieser Beitrag wurde von der freien Journalistin Carina Rambauske verfasst, die im Auftrag von ecoplus mit Unternehmen und Unternehmerinnen in Niederösterreich – die sich im Bereich Nachhaltigkeit engagieren – gesprochen hat. Diese Best Practice Beispiele der NÖ Wirtschaft wurden besucht, interviewt und vor Ort Kurzvideos gedreht. Die Ansichten dieses Beitrages müssen nicht der Meinung von ecoplus entsprechen.