Berufsbilder in der Lebensmittelbranche: Landgarten GmbH
26.09.2018

Berufsbilder in der Lebensmittelbranche: Theresa Sterkl, Landgarten GmbH & Co. KG

„Mir ist es besonders wichtig, dass mein persönlicher Tätigkeitsbereich sinnstiftend ist und dass die Produkte - welche ich entwickle - gut schmecken und wiedergekauft werden. Klingt zwar logisch, aber diese Aspekte werden oft übersehen.“, so Theresa Sterkl von der Landgarten GmbH & Co. KG.

Welche Aufgaben haben Sie im Unternehmen Landgarten über?

  • Markt- und Trendbeobachtung im Bio-Lebensmittelbereich durch Storechecks, Messebesuche oder Onlinerecherche zur Identifizierung neuer Marktpotentiale und Kundenbedürfnisse
  • Gestaltung und Erstellung der Jahresproduktplanung in Abstimmung mit der Geschäftsführung, Vertrieb und Marketing
  • Koordination & Begleitung der Produktentwicklungen und –verbesserungen
    • Konzeption von neuen Produktlinien oder -erweiterungen
    • Erstellung von Rezepturen
    • Rohwarenprüfung in Zusammenarbeit mit Qualitätssicherung
    • Koordination und Durchführung von Muster- und Testproduktionen mit dem jeweiligen Experten aus der Produktion
    • Erstellung von Nährwertberechnungen mit gesundheitsbezogenen Angaben und/oder Health Claims


Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

Bei mir gibt es eigentlich keinen typischen Arbeitsalltag, jeder Tag sieht anders aus und vor allem diese Abwechslung mag ich an meinem Job besonders gern. Da meine Projekte meist mittel- bis langfristig geplant sind, dauert ein Neuprodukt oder eine neue Produktlinie abhängig von der stark variierenden Entwicklungszeit von rund 6 Monaten bis zu mehreren Jahren. Die Entwicklungszeit beginnt in meinen Augen bei der Idee im Kopf bis zur Lieferfähigkeit des fertigen Produktes.

Die Produktentwicklung teilt sich bei der Firma Landgarten in drei Bereiche: Schokolieren & Rösten & Coaten. (Coating bezeichnet in unserem Fall das Überziehen von Trockenprodukten mit flüssigen Stoffen, welche anschließend fest haften.)

Bei den Schokoprodukten verläuft erfahrungsgemäß die Produktentwicklungszeit relativ rasch, da die Einflussfaktoren nicht so breit gestreut sind und die direkte Auswirkung auf das Produkt gut eingeschätzt werden kann bzw. schnell feststellbar ist.

Beim Coaten hängt das Ergebnis stark von den Coatingzutaten ab sowie u.a. von Temperatur und der Düsenart.

Beim Rösten von Saaten oder Hülsenfrüchten spielt die Beschaffenheit der Rohware* eine besonders große Rolle. Weitere Parameter wie Temperatur, Drehzahl, Luftzufuhr etc. sind ebenfalls zu berücksichtigen. *Beispielsweise hat Landgarten mehrere Jahre lang nach der passenden Sojabohnensorte gesucht.

Zu meinem Arbeitsalltag gehören u.a. die Generierung von Ideen für Neuprodukte, die Rezepturerstellung, die Rohwarenanforderung und –prüfung, die Durchführung von Versuchen inkl. Verkostungen, die Abstimmung mit den verschiedenen Abteilungen bzgl. weiterer Aspekte wie Grammatur, Verpackung, Vertriebskanal, Preis oder Design.


Welche Voraussetzungen muss man für diesen Beruf mitbringen, welche Interessensgebiete sollte man haben?

  • Ich denke, dass man experimentierfreudig und neugierig sein sollte sowie offen für Neues, da diese Eigenschaften die Innovationsfreude steigern.
  • Weiters sollte man geduldig sein und über ein gewisses Durchhaltevermögen verfügen, da mehr Versuche misslingen als gelingen – but that’s the life of a product developer!
  • Außerdem sollte man ein guter Projektmanager sein, da viele verschiedene Projekte gleichzeitig laufen und diese ausreichend dokumentiert werden sollten.
  • Besonders wichtig empfinde ich auch eine gewisse Sorgfalt und Genauigkeit v.a. bei der Erstellung von Rezepturen bzw. bei der Kontrolle von empfindlichen Daten.

 

Welche Ausbildung haben Sie durchlaufen?

Die Ausbildung begann eigentlich schon bei meiner Mutter, die früher Kochlehrerin war und mich immer beim Kochen und Backen miteinbezogen hat. Ich durfte viel ausprobieren und einfach tun – ganz nach dem Motto „Hands on“. Meine Matura habe ich an der Höheren Lehranstalt für Fremdenverkehr in Krems abgeschlossen. Auch hier war der bewusste Umgang mit Lebensmitteln und das Kochen und Experimentieren ein wichtiger Teil der Ausbildung und jener, der mir besonders Spaß machte.

Mein Bachelorstudium habe ich an der Fachhochschule Austrian Marketing University in Wieselburg (NÖ) im Zweig Produktmarketing und Projektmanagement mit den Vertiefungen „Lebensmittelwirtschaft“ und „Eco- & CSR Management“ absolviert. Innerhalb dieser 3 Jahre merkte ich, dass ich zwar den Marketingbereich spannend finde, aber dass mich der Bereich Ernährung und alle Facetten des Lebensmittelbereichs noch stärker interessieren. Deshalb habe ich mein Masterstudium an der gleichen Fachhochschule abgeschlossen und „Lebensmittelproduktentwicklung & Ressourcenmanagement“ studiert.


Frau Sterkl, aktuell haben Sie mit Landgarten am eben zu Ende gegangenen Kooperationsprojekt „Fast Sensorik“ teilgenommen. Wie im vorausgegangen Artikel beschrieben, haben sich die Teilnehmer über innovative Methoden der sensorischen Überprüfung informiert und diese auch erlernt. Welche Erfahrungen aus diesem Kooperationsprojekt konnten Sie für Ihr Unternehmen und den beruflichen Alltag mitnehmen?

Im Arbeitsalltag ist der Zeitfaktor extrem wichtig. In dem Seminar wurden uns Schnellmethoden von Sensorik-Expertinnen beigebracht, welche wir in aller Kürze anwenden und rasch auswerten können. Ein weiterer Vorteil ist das einfache und schnelle Verständnis dieser Methoden, welche wir auch sehr gut mit nicht Sensorik-geschulten Personen durchführen können. Somit ist keine stundenlange Einschulung vorab notwendig und relativ aussagekräftige Ergebnisse können innerhalb von kurzer Zeit erzielt werden. Weiters profitiert man auch durch die Teilnahme von anderen Partnern aus der Lebensmittelbranche und lernt dadurch die Vorgehensweise aus anderen Unternehmen kennen.