„BIM@Hersteller und Planer“ - Kooperationsprojekt macht die heimische Baubranche fit für die digitale Zukunft
12.12.2017

„BIM@Hersteller und Planer“ - Kooperationsprojekt macht die heimische Baubranche fit für die digitale Zukunft

Building Information Modeling (BIM) steht für integrale Planung mit Hilfe eines gemeinsamen digitalen Gebäudemodells. Alle am Bauprozess Beteiligten sollen auf das gemeinsame digitale Gebäudemodell – den „digitalen Zwilling“ – zugreifen und es bearbeiten können.

Im Zuge des vom ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich initiierten Pilotprojekts „BIM@Hersteller und Planer“ konnten 14 Unternehmen unterstützt von 2 BIM-Experten erste konkrete Erfahrungen mit den neuen digitalen Methoden sammeln.

Praxisbezug durch konkrete Fallbeispiele

Ziel des Projektes war die Durchführung eines kooperativen, qualifizierenden BIM-Pilotprojektes zur praxisnahen Anwendung der digitalen BIM-Arbeitsmethoden ohne reales Projektrisiko. Es nahmen sowohl PlanerInnen als auch HerstellerInnen am Projekt teil, um einerseits die digitalen Planungsprozesse zu simulieren, andererseits die praxistaugliche Verwendung von digitalen BIM-Herstellerobjekten im Modell zu verifizieren. Dabei wurden die TeilnehmerInnen durch eine maßgeschneiderte Qualifizierung schrittweise an die komplexe Themenstellung herangeführt und Know-How zur Zusammenarbeit mittels der BIM-Methode aufgebaut.

An Hand von konkreten Fallbeispielen wurden die vorgestellten Methoden angewandt und somit das Wissen mit starkem Praxisbezug vertieft.

Optimierung des Datenaustausches

Die Schwerpunkte der gemeinsamen Workshops waren neben theoretischen Einheiten seitens der externen BIM-Experten vor allem das gemeinsame Testen und Optimieren des Datenaustausches zwischen verschiedenen planenden Gewerken mittels des neutralen Schnittstellenformats IFC (Industry Foundation Classes) und einer gemeinsamen Datenplattform. Zusätzlich wurden die im Projekt erstellten oder optimierten BIM-Objekte der teilnehmenden Industriepartner von den Planern in die digitalen Gebäudemodelle eingesetzt und auf Praktikabilität und Funktionalität getestet. Die konkreten Rückmeldungen können nun in die weitere Entwicklung der BIM-Objekte einfließen.

Ein Highlight war der Export eines bearbeiteten digitalen Gebäudemodells in eine VirtualReality-Software und die Visualisierung bzw. Begehung des virtuellen Gebäudes mittels einer VR-Brille mit der Besonderheit der Implementierung aller verfügbaren Metadaten. Eine Anwendung, die z.B. für virtuelle Baubesprechungen verwendet werden kann. Zwischen den einzelnen Workshops unterstützten die externen BIM-Experten alle Projektpartner sowohl bei den ersten Schritten als auch beim Optimieren des Datenaustausches im Zuge des virtuellen Zusammenarbeitens.

Kooperativer Erfahrungsaustausch

Recht unterschiedliche BIM-Vorkenntnisse und -Praxiserfahrungen und die unterschiedlichen Rollen (Zugänge) von Planern bzw. BIM-Objektherstellern nutzten die Workshop-Teilnehmenden für intensiven Erfahrungsaustausch und Voneinander-Lernen. Diese Inhomogenität der Gruppe wurde von den Teilnehmenden auch als besondere Qualität für ihre Zusammenarbeit und den Erwerb neuen Wissens hervorgehoben. Gegenseitiges Verständnis für die jeweilige Arbeits- und Denkweise (Hersteller – Planer) wurde aufgebaut.

Einhellig positiv bewertet wurde auch das stark praxis- und anwendungsorientierte Format der Workshops. Das konkrete Arbeiten vieler an einem gemeinsamen Modell hat auch bewusstgemacht, wieviel Abstimmung noch nötig ist trotz bereits zur Verfügung stehender einschlägiger und vielfältiger Softwarelösungen. Zitat eines Teilnehmers: „Arbeitsabläufe werden vorerst nicht schneller, aber sicher technisch richtiger!“

Weitere praxisrelevante Kooperationsprojekte geplant

Trotz vieler offenkundiger Vorteile sind, laut Einschätzung der Projektpartner, neben der noch nicht ausgereiften Standardisierung vor allem der Mangel an qualifiziertem Personal die wesentlichen Hinderungsgründe für die zügige Implementierung von BIM-Methoden.

Alle Teilnehmenden waren sich beim Projektabschluss einig, dass „BIM in naher Zukunft eine sehr wichtige Rolle spielen wird!“.

Gemeinsam mit den externen Experten hat der ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich die Erfahrungen und Rückmeldungen aus dem Pilotprojekt ausführlich evaluiert und konzipiert aufbauend auf den Ergebnissen weitere praxisrelevante Kooperationsprojekte zu diesem Themenfeld. Geplant ist neben einem Pilotprojekt für Einsteiger auch ein vertiefendes Projekt, im Zuge dessen der komplette BIM-Planungs- und Ausführungsprozess von Entwurfsplanung über die Ausschreibung bis hin zur Ausführungsplanung und Abrechnung unter Einbeziehung möglichst aller Gewerke bearbeitet wird.

Vorgestellt werden diese Projektkonzepte anlässlich des nächsten „BIM Stammtisches“ des ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich am 15.2.2018 in St. Pölten.

Projektteilnehmer:

externe Begleitung:

Weitere Informationen:
Martin Huber
+43 2742 9000-19665