Türen zu mehr Nachhaltigkeit

Türen zu mehr Nachhaltigkeit

Türen zu mehr Nachhaltigkeit – bei Tischlerei Schrenk

Aufgeräumt, sauber und leise. In den Hallen der Tischlerei Schrenk in Vitis (Bezirk Waidhofen an der Thaya) ist es ungewöhnlich ruhig für das sonst so geschäftige Handwerken. Kaum Material kugelt herum – alles hat seinen Platz. Das liegt nicht nur daran, dass die Mitarbeiter gerade gemütlich bei einer Vormittagsjause zusammensitzen. „Sondern“, erzählt Prokurist Jürgen Altschach, während er an den Maschinen und Werkbänken vorbeiführt, „weil sie ihr Arbeitsumfeld selbst mitgestalten“.

 

 

Die Produktionsprozesse sind klar aufgebaut – und selbst für Besucher verständlich. Dadurch läuft die Arbeit sehr strukturiert und geordnet ab. Tritt einmal ein Fehler zutage, optimieren die Mitarbeiter den Ablauf. „Das macht unser Unternehmen auch so einzigartig: die Menschen, die hier wirken“, ist Geschäftsführer Stefan Schrenk überzeugt. „Wir wollen hier ein Umfeld schaffen, wo Kreativität ausgelebt wird. Dabei kommt es auf jeden Einzelnen an.“

 

Nachhaltigkeit: das Finden von Kompromissen

Somit ist ein Ansatzpunkt, wie die Tischlerei Schrenk Nachhaltigkeit denkt, angesprochen. Auch wenn der Geschäftsführer dem Wort nicht viel abgewinnen kann: „Vielmehr sollte man von Tragfähigkeit sprechen.“  Es sei stets ein Abwägen von Möglichkeiten – ein „Hinterfragen, Überlegen, Reflektieren, Lernen“. Denn auch wenn das Unternehmen mit Holz – „dem natürlichsten Stoff prinzipiell“ – arbeite, sei die Frage nach der Nachhaltigkeit zu stellen: Sind es die kurzen Wege? Eine Zertifizierung? Ist es besser, wenn Holz von einem Land über ein anderes nach Österreich gebracht werden muss, um die Zertifizierungskette aufrechtzuhalten? Oder ist es der Lieferant aus dem Waldviertel, der zwar keine Zertifizierung hat, aber gleiche Qualität bei weniger Transportkilometern liefert? „Es gilt immer, einen Kompromiss zu finden, welche Lösung man aktuell für die beste empfindet“, schildert der Waldviertler. Und diese heißt es Tag für Tag zu hinterfragen.

 

Vom klassischen Tischler zum Türen- und Treppenspezialist

Ob nun nachhaltig oder tragfähig – die Tischlerei Schrenk denkt ressourcenschonend. Und das seit Jahrzehnten. Als klassische Tischlerei 1977 von Stefan Schrenks Eltern, Franz und Elisabeth, gegründet, hat sich das Familienunternehmen mit seinen rund 50 Mitarbeitern bald auf Türen und Treppen spezialisiert. Anfang der 90er-Jahre waren sie die ersten, die CNC-Technologie, eingesetzt haben. Seit zwanzig Jahren verwenden sie Lacke auf Wasser-Basis. Vor elf Jahren haben sie ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht geschrieben, obwohl viele über das Bemühen dieses „Dorftischlers aus dem Waldviertel“ den Kopf geschüttelt haben. „Sie hat es nicht interessiert, ob das Material aus China, Afrika oder dem Amazonas stammt“, erzählt Schrenk.

 

Ein Haus in acht Tagen

Verschiedene Muster und Versuche liegen in den Büroräumlichkeiten in Vitis herum, mit denen unter anderem Senior-Chef Franz Schrenk – trotz Pension nach wie vor umtriebig – an neuen Innovationen tüftelt. In der Halle nebenan wurde eine Lernstatt etabliert, in der laufend mit Kunden, Kooperationspartnern und Mitarbeitern an der effizienten Gestaltung von Wertschöpfungsketten diskutiert wird.

Da kann es schon einmal passieren, dass die Holzkompetenz neben den 800 Treppen und rund 1.000 Türen im Jahr auf andere Produktfeldern ausgeweitet wird. Wie zum Beispiel das Plugin Haus ZiKK 2.0, das auf dem Baukastensystem von Lukas Lang basiert. Innerhalb von acht Tagen kann das smarte Holzhaus, das auf Stelzen steht und weder Fundament noch Verbundstoffe braucht, bei einem Umzug einfach abgebaut und mitgenommen werden. So wird kein Boden versiegelt. Im Gegenteil: Unter dem Haus muss regelmäßig der Rasen gemäht werden. Ein kleiner Preis, um das erklärte Ziel – mehr Nachhaltigkeit in der Baubranche – zu erreichen. „Da diese per se energieverschwendend, dreckig und ressourcenfressend ist, geht es nicht nur darum, in der Baubranche positiv mitzumischen“, sagt Schrenk. „Sondern im optimalsten Fall werden Produkte erzeugt, die nicht nur umweltverträglich sind, sondern sogar eine Verbesserung bewirken.“ Die ersten Schritte dahin geschehen ungewöhnlich aufgeräumt, sauber und leise in einer Tischlerei.

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Dieser Beitrag wurde von der freien Journalistin Carina Rambauske verfasst, die im Auftrag von ecoplus mit Unternehmen und Unternehmerinnen in Niederösterreich – die sich im Bereich Nachhaltigkeit engagieren – gesprochen hat. Diese Best Practice Beispiele der NÖ Wirtschaft wurden besucht, interviewt und vor Ort Kurzvideos gedreht. Die Ansichten dieses Beitrages müssen nicht der Meinung von ecoplus entsprechen.