Genuss ohne Grenzen
15.10.2019

Genuss ohne Grenzen

Mit dem Zeugnis in der Hand schnell nach Hause laufen, die restlichen Sachen in die Reisetasche packen, um eine Stunde später im Auto zu sitzen. Die Ferien können beginnen! Eine Burg, ein Fluss, Wälder und Wiesen warten. Jedes verlängerte Wochenende und jede Ferien war für die drei Ipp-Geschwister ein Abenteuer. Jedoch nicht auf steirischen Almen, an Kärtner Seen, auf Tiroler Berger oder im reizvollen Salzkammergut. Sondern am nördlichsten Rand Niederösterreichs, direkt an der Grenze zu Tschechien: im Waldviertel, in Hardegg (Bezirk Hollabrunn), der kleinsten Stadt Österreichs.

Jahr für Jahr verbrachte Alexander Ipp, Hotelier des Althof Retz, seine Ferien hier bei seiner Großmutter. Und jedes Mal sei das für ihn und seine Geschwister ein wahres Refugium gewesen – trotz der Staatsgrenze, die 50 Meter entfernt von seinem Bett verlief. „Skurril, wenn ich heute daran denke.“ Aber damals? „War es für mich eine lustige Zeit, aber auch bedrückend, wenn ich die Geschichten dahinter hörte“, antwortet Ipp. „Und schlussendlich schön, dabei gewesen zu sein, wie sich alles zum Guten verändert hat.“ Denn als vor 30 Jahren die Grenzbalken in die Höhe gingen, stand der damals 22-Jährige an der Hardegger Brücke inmitten fremder Menschen von beiden Seiten der Grenze, die sich umarmt und gefreut haben. „Es war eine Situation der Menschlichkeit und Befreiung“, beschreibt der Hotelier.

 

Von der Burg zum Vier-Sterne-Hotel

Der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 war das Ende der „Sackgasse Europas“, wie Ipp die damalige Situation bezeichnet, und die Öffnung des Retzer Landes als beliebtes touristische Ziel. Ein Konglomerat aus kulinarischen Highlights, malerischen Kellergassen und gemütlichen Weinfesten. Ein Ort zum Erholen, Entdecken und Genießen. Und mittendrin: der Althof Retz – einst Burg, dann Wirtschaftshof, jetzt Vier-Sterne-Hotel –, der diesen Spirit mit jedem seiner Ziegelsteine lebt. Dieses Potenzial habe Ipp gesehen, als er im Alter von 30 Jahren seine Karriere als angestellter Hoteldirektor für einen deutschen Hotel-Konzern beendete und sich sein eigenes Unternehmen aufzubauen begann. Mit Erfolg: Auf Retz folgte das arte Hotel Wien, auf Wien Krems und daraufhin Zwettl, Kufstein, Wieselburg und Linz. Seit vergangenem Frühsommer macht das arte Hotel in Salzburg die österreichische Hotelgruppe komplett.

 

Wein als Begleiter in all seinen Formen

Doch zurück nach Retz: Der Eiserne Vorhang war gefallen, wodurch die Entdeckung der Region hierseits und jenseits der Grenze für Gäste reizvoll wurde. „Durch den Althof hat es in der Region einen Impuls in eine Richtung gegeben, die vor allem für den Weinbau, die Winzer und die Weinwirtschaft ein mitentscheidendes Projekt war“, sagt Ipp. Die Gäste wollen untertags etwas erleben, abends die Gelassenheit der Region mit Wein zelebrieren und dann übernachten. Der Althof Retz vereint alle diese Aspekte in seinen über 98 Zimmern und zehn Seminar- und Banketträumen.

Die Grundsteinlegung dafür erfolgte 1989 mit dem Umbau des Althofs zum Hotel, das 1992 gleichzeitig als Ausbildungsstätte der Hotelfachschule Retz in Betrieb ging. 1997 übernahm schließlich die Familie Ipp den Althof. Bereits zwei Jahre später, 1999, wurde er stetig erweitert –zuletzt 2015 mit dem VinoSPA. Ein Wellnessbereich auf 1.000 Quadratmetern mit Beauty- und Massageerlebnissen mit natürlichen Produkten aus den Weinbergen, einem Warmwasserbecken mit Himmelblick im alten Turm der Retzer Stadtmauer, diversen Saunen und Ruheoasen. Und obendrauf am Dach: ein beheizter Infinity-Pool mit Blick auf die Retzer Windmühle und Weingärten. Für Gaumengenuss sorgt zum Beispiel ein Weinkulinarium aus der Althof-Küche und für entspannenden Schlaf elegante Windmühlen-Suiten mit dem Charme der dicken Burgmauern und romantischen Gaupen. Rund 24.000 Gäste im Jahr entscheiden sich für diese Kombination von Wellness und Wein im Retzer Althof.

 

Nur nicht stressen lassen

Mit der Eröffnung des VinoSPA ist die zukünftige Richtung festgelegt: Zunächst vor allem auf den Tagungstourismus fokussiert, etabliert sich der Althof zunehmend als Wein- und Genussresort im Großraum Wiens – ganz im Sinne der weinviertlerischen Credos „genussvolle Gelassenheit“ und „alles mit der Zeit“. Diesen beiden Ansprüchen hat sich der Althof mit seinen 65 „Mit-Gastgebern“, wie die Mitarbeiter hier gesehen werden, verschrieben. Knapp ein Drittel von ihnen kommt aus dem tschechischen und slowakischen Raum. Unvorstellbar zur Zeit des Eisernen Vorhangs. Ebenso unvorstellbar, dass sich einmal auch andere auf den Aufenthalt im Retzer Land freuen, wie es Alexander Ipp als Kind tat. Fast unvorstellbar, was alles möglich ist, wenn aus einer Sackgasse eine grenzüberschreitende Region wird.

 

> Zur Blogübersicht anlässlich 30 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs

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Dieser Beitrag wurde von der freien Journalistin Carina Rambauske verfasst, die im Auftrag von ecoplus mit Unternehmen und Unternehmerinnen in der Grenzregion zur Wahrnehmung des Fall des Eisernen Vorhangs und der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Region spricht. Die Ansichten dieses Beitrages müssen nicht der Meinung von ecoplus entsprechen.