Raum als Gestalter von (Arbeits-)Verhalten

Raum als Gestalter von (Arbeits-)Verhalten

Ob im Wartezimmer eines Arztes oder in der Kirche: In manchen Räumen weiß man, dass man sich still verhalten muss. Und in der Arbeit? Da sollte es konzentriert ablaufen. Ruhig. Auf jeden Fall produktiv und effizient. „Der Raum prägt das Verhalten“, ist Steven Blaha, Junior-Chef von Blaha Sitz- und Büromöbel, überzeugt. „Somit prägt ein Raum auch ein Unternehmen“, sagt er weiter, während er durch das Familienunternehmen in Bisamberg (Bezirk Korneuburg) führt und nacheinander die Türen zu den einzelnen Büros öffnet. Keines ist wie das andere. Jedes schaut anders aus. Manche bunt, andere mit vielen Mustern, andere schlicht und in dunklen Tönen, andere mit geschwungener Linienführung und wieder andere geradliniger. Das hängt damit zusammen, dass sich die Mitarbeiter ihre Büros selbst gestalten.

„Der Arbeitsplatz ist der Raum, in dem wir – nach dem Schlafzimmer – im Durchschnitt die meiste Zeit verbringen“, hebt Blaha die Bedeutung hervor, die damit einher geht.

 

Kommunikation als Garant für Erfolg

Steven Blaha führt weiter in das BIZ (Büro Ideen Zentrum), wo auf 3.500 Quadratmetern fortschrittliche Arbeitsplatzgestaltung in unterschiedlichsten Formen und Designs gezeigt wird. Darin integriert ist ein großer, lichtdurchfluteter Bar-Bereich, wo gerade ein paar der insgesamt 130 Mitarbeiter zusammensitzen und Kaffee trinken. Ein Anblick, der vom Arbeitgeber selten gerne gesehen wird. Bei Blaha ist das anders. Wenn hier Mitarbeiter gemütlich zusammenstehen, findet höchstwahrscheinlich gerade eine der Kommunikationsrunden statt, die sich mehrmals täglich, ähnlich wie ein Ritual, wiederholen. Die erste beginnt in der Früh, um 7 Uhr, wenn sich Monteure und Führungskräfte treffen, und das jüngste Feedback der Kunden besprochen wird. Kommunikation wird hier bereichsübergreifend gelebt. „Sie ist ausschlaggebend für Erfolg“, ist Blaha überzeugt. „Erfolgreich zu sein, beginnt im Kopf – die Gedanken bewirken Ergebnisse und nicht irgendeine niedergeschriebene Prognose.“

 

„Anders als Prinzip“

Damit sich solche erfolgreichen Gedanken entfalten können, braucht es vor allem eines: den passenden Raum. Ein Raum, der anregt, kreativ, motiviert und produktiv zu sein. Möbel sollen nicht nur funktionell sein, sondern durch innovative und designstarke Lösungen das Verhalten ihrer Benutzer positiv beeinflussen.

In dieser Art – nämlich „anders als Prinzip“, wie auch der Firmenslogan sagt – tickt das Unternehmen, seit es 1933 von Franz Blaha gegründet wurde. Nicht in der Form, wie das Familienunternehmen heute in dritter Generation besteht, sondern damals mit dem Vertrieb von Handelswaren aller Art. 1950 kamen Gartenmöbel dazu, wobei Blaha entgegen des tristen Graus der Nachkriegszeit auf Farbe setzte und bunte Sessel, gestreifte Sonnenschirme und vieles in Blumendesign auf den Markt brachte. Mit der Verlegung des Standortes von Linz nach Bisamberg in den 60er Jahren veränderte sich Blaha vom Handel- zum Produzenten von maßgeschneiderten Sitz- und Büromöbeln.

 

Fertigung erst nach Bestellung

Ein weiterer Meilenstein ereignete sich vor knapp zwanzig Jahren, als Friedrich Blaha eine neue Produktionsphilosophie formulierte: Weg vom Verkäufer, hin zum Käufermarkt. „Jeder macht einen Handgriff, am Schluss kommt etwas raus und keiner weiß eigentlich, wie es passiert ist – das war einmal“, erklärt Steven Blaha die Überlegung seines Vaters, sich von der kapazitätsgetriebenen Auslastung der Maschine zu verabschieden, und sich zu auftragsbezogener Fertigung zu entwickeln. Nun wird das Produkt innerhalb von neun Werktagen für den Kunden individuell angefertigt. „Das bedeutet gleichzeitig ein tägliches Jonglieren mit den Kapazitäten“, schildert Blaha. Wie das gelingt? Mit der gesamten Produktionskette – der Metall- und Holzverarbeitung, als auch die hauseigene Polsterei – im Haus. Erst wenn ein Produkt bestellt wird, wird es angefertigt und im Anschluss geliefert. Dadurch wird Verschwendung bei Material, Lagerung und Arbeitszeit vermieden.

 

„Die Stimmung ist ausschlaggebend“

Auch bei der Wahl des Materials hat der Büromöbelhersteller nichts zu verschwenden: Kurze Transportwege der umweltfreundlichen Produkte haben Priorität. Dabei bezieht Blaha sämtliche Materialien aus Österreich: etwa das Holz aus Herzogenburg, die Hanfdämmplatten aus dem Weinviertel oder die Schafschurwolle aus Tirol.

Damit allein würde die Unternehmensphilosophie ins Leere laufen. „Die Stimmung ist ausschlaggebend. Und Kommunikation über alle Bereiche hinweg sowie Mitarbeiter, die kreativ, motiviert und produktiv sind und eigenverantwortlich arbeiten“, betont Blaha. Und das Wissen, dass es in den Räumen des Unternehmens nicht darum geht, ruhig zu sein.

 

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Dieser Beitrag wurde von der freien Journalistin Carina Rambauske verfasst, die im Auftrag von ecoplus mit Unternehmen und Unternehmerinnen in Niederösterreich – die sich im Bereich Nachhaltigkeit engagieren – gesprochen hat. Diese Best Practice Beispiele der NÖ Wirtschaft wurden besucht, interviewt und vor Ort Kurzvideos gedreht. Die Ansichten dieses Beitrages müssen nicht der Meinung von ecoplus entsprechen.