Schallschutz-Planungstool für Fassaden soll Unternehmen mehr Sicherheit bieten
11.12.2017

Schallschutz-Planungstool für Fassaden soll Unternehmen mehr Sicherheit bieten

Für Außenwandausführungen mit Wärmedämmverbundsystemen oder vorgehängten Fassadensystemen gibt es derzeit für die Bemessung des Schallschutzes nur grobe Abschätzungsmöglichkeiten. Dies ist zum Teil methodisch bedingt bzw. liegen hierfür zu wenig allgemein zugängliche Daten vor. Dies führt zu Ineffizienz im Planungsprozess, zu überdimensioniertem Materialeinsatz und somit in weiterer Folge zu Kostensteigerungen. Eine frequenzabhängige Prognose der Schalldämmung einer Außenwand mit eingebauten Komponenten wie Fenster und Türen ist derzeit nicht möglich, wenn nicht frequenzabhängige Daten aus Luftschalldämm-Messungen von allen Teilelementen verfügbar sind. Das liegt vor allem daran, dass das derzeitig standardisierte Vorgehen auf einer Abschätzung anhand von Einzahlangaben beruht.

Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich setzt Branchenprojekt auf

Für den ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich Grund genug sich der Thematik zuzuwenden: Im November 2017 startete der Cluster ein Branchenprojekt mit 16 Unternehmen und Organisationen aus der Fassadenbranche. Ziel des zweijährigen Projekts Schall.HOCH.bau ist es, ein geeignetes Vorhersagemodell zu entwickeln, das mit einer zeitgemäßen Datengrundlage Voraussetzungen für ein allgemein anwendbares Planungstool liefert. Im Vergleich zur derzeitigen Situation soll mit den zu schaffenden Voraussetzungen eine wesentlich flexiblere und deutlich genauere Bemessung des Schallschutzes von Außenwänden mit Wärmedämmverbundsystemen und vorgehängten Fassaden inklusive Berücksichtigung von Fenster- und Türeinbauten möglich sein. Bei der Entwicklung des Rechenmodells wird zudem der immer wichtiger werdende tiefe Frequenzbereich (unter 100 Hz) berücksichtigt, sowie die Streuungen der Kennwerte der untersuchten Bauprodukte untersucht um geeignete Unsicherheitsbeiwerte für die Planungsprognose ableiten zu können.  

Die wissenschaftliche Begleitung in diesem Projekt erfolgt durch das TGM Versuchsanstalt für Akustik & Bauphysik, sowie die TU Wien, Institut für Hochbau und Technologie, Forschungsbereich für Bauphysik und Schallschutz.

Wesentliche Vorarbeit für das Entwicklungsvorhaben leisteten die Cluster-Kooperationsprojekte Bauanschluss (2013) und Fenster.Türen 2.0 (2016), in die bereits die akustische Expertise von Herbert Müllner vom TGM eingeflossen ist. Aber auch die in der Dissertation von Maximilian Neusser an der TU Wien entwickelte Modellierungsmethode mittels Transfermatrizen wird in Schall.HOCH.bau zur Anwendung kommen.

Projekt-Kick off erfolgt

Univ.Prof. Bednar, Leiter des Forschungsbereichs für Bauphysik und Schallschutz an der TU Wien, sieht die Zeit für dieses Projekt gekommen, weil mehrere Faktoren wirksam werden, wie er in seiner Keynote zum Projektauftakt am 21.11. 2017 anmerkte: „Gleichzeitiges Zur-Verfügung-Haben von numerischer Rechenleistung und ausreichend valide Versuchsergebnisse gepaart mit korrespondierendem Interesse von entsprechenden Industriebetrieben und Planern bieten eine einmalige Gelegenheit für die Verwirklichung dieses Projektes.“

Beim Kick off gingen der Cluster und die Experten sofort in medias res und verfeinerten das ambitionierte Untersuchungsszenario gemeinsam mit den kofinanzierenden Unternehmen. Wie bei allen Cluster-Kooperationsprojekten ist auch ihre aktive Mitarbeit im Projekt eingeplant.

Das Branchenprojekt Schall.HOCH.bau läuft bis Okt. 2019 und wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG im Instrument "Collective Research“ des Basisprogramms gefördert.

Projektpartner

Weitere Informationen:
Michaela Smertnig
+43 2742 9000-19664