Stillstand ist Rückstand

Stillstand ist Rückstand

So riecht es selten in einer Lagerhalle. Eine Mischung aus Lavendel, Rosen, Orangen und unterschiedlichsten Kräutern liegt in der Luft, wo sich verpackte Seifen, Shampoos und Cremen in meterhohen Regalen türmen. „Ich rieche das gar nicht mehr“, sagt Wolfgang Stix lachend, während er aus dem Dufterlebnis hinaustritt und schnellen Schrittes bei leichtem Regen über das Gelände von STYX Naturcosmetic in Ober-Grafendorf (Bezirk St. Pölten) eilt. Vorbei an einem Shop- und Bürogebäude. Der Bahnhofsbrauerei. Dem bunten Elektro-Auto. Und zwei Lagerhallen hin zu einer der Produktionsräumen. „Es ist ein bisschen zusammengewürfelt“, erklärt Stix, dass das Unternehmen alle paar Jahre durch ein weiteres Gebäude gewachsen ist.

 

Angefangen hat es bereits vor hundert Jahren: 1915, als sein Großvater mit heimischen Kräutern und Heilpflanzen experimentierte. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich daraus STYX Naturcosmetic entwickelt – ein Familienunternehmen, das im Jahr 3,5 Millionen Cremen, Shampoos und Seifen herstellt. Und das seit 2011 CO₂-neutral. „Damit sind wir der einzige Kosmetikbetrieb europaweit“, sagt Stix stolz.

 

Der „persönliche Vogel“ als Ideengeber

Einen Blick aufs Dach bzw. in den Keller zeigt, wie das gehen kann: 2010, als auch die hauseigene Schokoladenmanufaktur in Ober-Grafendorf in Betrieb ging, baute sich Stix sein eigenes Heizwerk. „Alle haben mich damals ausgelacht“, erinnert er sich. „Aber das ist halt mein persönlicher Vogel – ich will das, also tue ich mir das auch an!“ Ein „geht nicht“ gibt es bei dem Pielachtaler nicht. Und „Stillstand ist Rückstand“ – deshalb gibt es bei Stix nicht nur Naturkosmetik und handgeschöpfte Schokolade, sondern auch ein selbst gebrautes Bier – damit es Körper und Geist bei einem Besuch auch wirklich an nichts fehlt.

 

Zurück zum Hanf

Seit einigen Jahren steht auf dem STYX-Gelände also nun ein Heizwerk. Die Hackschnitzel für die Biomasse-Heizung werden von heimischen Bauern innerhalb eines Umkreises von 25 Kilometern gekauft. Zusätzlich sorgt die Photovoltaikanlage seit zehn Jahren für 60 Prozent der benötigten Energie. Der restliche Bedarf wird mit zertifiziertem Ökostrom zugekauft. „Außerdem haben wir uns auferlegt, dass wir die Rohstoffe, die wir verarbeiten, zu 90 Prozent aus Österreich beziehen“, so Stix.

Die neueste Kosmetiklinie basiert zum Beispiel auf Hanf aus dem Weinviertel. Die vielseitige Pflanze kann komplett verwertet werden und wirkt als Creme besonders feuchtigkeitsbindend und zellerneuernd. „Die Hanfpflanze ist ein Tiefwurzler und durch die steigende Trockenheit DIE Alternativpflanze für die Zukunft“, schildert der Geschäftsführer. Und erzählt weiter: Dass Hanf schon immer ein wichtiger Rohstoff war. Dass es 1940 verboten wurde. Und, dass damit früher Papier, Taue und Seile hergestellt wurden. Woher er das alles weiß? „Ich beschäftige mich seit meinem zehnten Lebensjahr mit der Natur“, erzählt der gelernte Drogist. Außerdem sei er vorbelastet durch seinen Vater: „Er war ein alternativer Mensch. Während in den 70er Jahren alle DDT gespritzt haben, hat er seinen Kohl mit Schmetterlingsnetzen angebaut. Alle haben gesagt, dass er spinnt. Aber er hat einfach gesehen, dass das wichtig ist.“

 

Nachhaltig: Vom Rohstoff bis zum Versand

Die Nähe zur Natur sei Stix anerzogen worden. Und das setzt er sukzessive um. Vor wenigen Wochen verbannte Stix die Plastiktuben und ersetzte sie durch Verpackung aus nachwachsenden Rohstoffen. Damit erfolgt die gesamte Produktherstellung – vom Energiebedarf, dem Produkt selbst bis zum Verpackungsmaterial beim Versand hin (alte, geschredderte Kartonagen bzw. Maischips) – ressourcenschonend.

 

„Zeigen, wie Natur funktioniert“

Wie das alles funktioniert und abläuft, ist bei STYX im Rahmen einer Betriebsführung ersichtlich. Ein Blick in die verglasten Produktionshallen ermöglicht Einblicke in die tägliche Arbeit der Kosmetikherstellung. Diese Einladung sind im vergangenen Jahr 29.000 Besucher nachgekommen. „Die Produktion der Kosmetik, woher wir die Rohstoffe nehmen und was wir daraus alles machen – das zeigen wir den Menschen komplett transparent“, schildert Stix. Das soll noch weiter ausgebaut werden und in ein paar Jahren in einer großen Erlebniswelt münden: „Mein Endziel ist, Kindern zu zeigen, wie Seifen entstehen, was man aus Kräutern machen kann, woher Kräuter kommen – einfach alles rund um die Natur und wie sie funktioniert.“ Ein fantastisches Dufterlebnis inklusive.

 

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Dieser Beitrag wurde von der freien Journalistin Carina Rambauske verfasst, die im Auftrag von ecoplus mit Unternehmen und Unternehmerinnen in Niederösterreich – die sich im Bereich Nachhaltigkeit engagieren – gesprochen hat. Diese Best Practice Beispiele der NÖ Wirtschaft wurden besucht, interviewt und vor Ort Kurzvideos gedreht. Die Ansichten dieses Beitrages müssen nicht der Meinung von ecoplus entsprechen.