Textilrecycling neu gedacht: Forschung in Tulln sucht Lösungen für ein globales Problem
Die wachsenden Mengen an Textilabfällen zählen zu den großen Herausforderungen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Sogar einfache Textilien wie ein T-Shirt, Bettwäsche oder Handtücher, die aus einem Mischgewebe aus Baumwolle und Polyester bestehen, erschweren das Recycling erheblich. Um die Materialien wiederzuverwerten, müssen sie zunächst in ihre Rohbestandteile getrennt werden – ein technisch anspruchsvoller und bisher oft wirtschaftlich nicht konkurrenzfähiger Prozess.
Gleichzeitig steigt der Handlungsdruck auf die Branche. Seit 19. Juli 2026 gilt in der Europäischen Union für große Unternehmen ein Vernichtungsverbot für unverkaufte Textilien. Die neue Ökodesign-Verordnung soll Ressourcenverschwendung verhindern, Abfälle reduzieren und die Wiederverwendung sowie das Recycling gebrauchsfähiger Produkte fördern. Unternehmen müssen künftig verstärkt alternative Verwertungswege finden und teilweise auch transparent über den Umgang mit unverkauften Waren berichten.
Am Technopol Tulln wird genau an Lösungen für diese Herausforderung gearbeitet. Im Josef Ressel Zentrum „ReSTex“ der Fachhochschule Wr. Neustadt am Biotech Campus Tulln erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler innovative biotechnologische Verfahren, um Mischtextilien effizient zu trennen und damit hochwertiges Textilrecycling zu ermöglichen. Nach rund zweieinhalb Jahren Forschungsarbeit wird derzeit der Aufbau einer Pilotanlage vorbereitet, in der die entwickelten Verfahren unter halbindustriellen Bedingungen getestet werden sollen.
Die Bedeutung dieser Forschung ist groß: Weltweit werden jährlich rund 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert, aber nur etwa ein Prozent davon recycelt. Neue gesetzliche Vorgaben verstärken daher den Bedarf an wirtschaftlich tragfähigen Recyclingtechnologien, die bisher schwer verwertbare Mischtextilien wieder in den Kreislauf zurückführen können.
Der Forschungsstandort Tulln bietet dafür ideale Voraussetzungen. Am Technopol Tulln arbeiten die Fachhochschule Wiener Neustadt, die BOKU University sowie zahlreiche Forschungs- und Unternehmenspartner gemeinsam an Innovationen für Bioökonomie, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Produktion. Das Josef Ressel Zentrum „ReSTex“ zeigt beispielhaft, wie aus dieser engen Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft Lösungen für aktuelle gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen entstehen. Die geplante Pilotanlage soll einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer ressourcenschonenden und zukunftsfähigen Textilwirtschaft darstellen.