Junger Mann mit dem Handy
westend 61/Uwe Umstätter
14. Juli 2026

„TGA meets BIM“: BIM praxisnah kalkulieren

Klare BIM-Anforderungen schaffen Transparenz: Beim Erfahrungsaustausch im Bau.Energie.Umwelt Cluster NÖ teilten TGA-Unternehmen Erfahrungen aus Angebotslegung und Projektabwicklung.

Der ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster NÖ startete bereits vor mehr als zehn Jahren mit auf die Bedarfe von Unternehmen abgestimmten Qualifizierungen zu „Building Information Modeling“ (BIM). Während BIM inzwischen in vielen Planungs- und Bauprojekten angekommen ist, zeigen sich im praktischen Einsatz weiterhin Herausforderungen – insbesondere an den Schnittstellen zwischen Auftraggebern, Planern und ausführenden Unternehmen.

Der Cluster lud im Juli 2026 Anwender von planenden Unternehmen aus dem Bereich der technischen Gebäudeausrüstung zum 2. Erfahrungsaustausch. Manager und Projektleiter von fünf HKLS&E-planenden und -ausführenden großen und kleinen Unternehmen und BIM-Experte SIDE GmbH tauschten praktische Erfahrungen, aktuelle Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze aus. 

Im Folgenden geben wir einen kleinen Einblick.

Wo BIM heute bereits Mehrwert schafft

Unabhängig von Unternehmensgröße und Fachbereich zeigte sich, dass BIM in vielen Bereichen bereits einen konkreten Nutzen stiftet.

Besonders hervorgehoben wurden:

  • Kollisionsprüfungen in frühen Planungsphasen
  • bessere Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Planungsentscheidungen
  • effizientere Zusammenarbeit zwischen Projektbeteiligten
  • automatisierte Mengenermittlung und Dokumentation
  • höhere Planungsqualität durch strukturierte Datenmodelle
  • bessere Grundlagen für Betrieb und Instandhaltung von Gebäuden

Einigkeit bestand darüber, dass BIM weit mehr ist als die Erstellung eines 3D-Modells. Der eigentliche Mehrwert entsteht durch die strukturierte Nutzung und Weiterverarbeitung von Informationen über den gesamten Projektlebenszyklus.

Klare Rollenverteilung zwischen Auftraggebenden und Auftragnehmenden

Ein wesentlicher Diskussionspunkt in der Runde war das Zusammenspiel von Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) und BIM-Abwicklungsplan (BAP) sowie die Frage, welche Vorgaben im Projektverlauf angepasst werden dürfen.

  • Der Auftraggebende (AG) definiert über die AIA die Projektziele, Informationsanforderungen und den gewünschten Leistungsumfang.
  • Die Auftragnehmenden (AN) entwickeln auf dieser Grundlage den BAP, in dem die organisatorische und technische Umsetzung, Datenstrukturen, Prozesse, Verantwortlichkeiten und Austauschformate festgelegt werden.
  • Der BAP ist ein „lebendes Dokument“ und kann während des Projekts gemeinsam weiterentwickelt werden, um die Zusammenarbeit zu optimieren.
  • Vertraglich vereinbarte Anforderungen aus den AIA dürfen jedoch nicht nachträglich über den BAP verändert oder erweitert werden.
  • Verbindliche Softwarevorgaben sollten bereits im Vergabe- bzw. Ausschreibungsprozess klar definiert sein, um Transparenz und Kalkulationssicherheit für alle Projektbeteiligten sicherzustellen.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass eine klare Rollenverteilung zwischen Auftraggebenden und Auftragnehmenden sowie eine eindeutige Trennung zwischen Anforderungen (AIA) und deren Umsetzung (BAP) wesentlich für den Erfolg von BIM-Projekten ist.

Datenqualität und Modellweiterverwendung

Ein weiteres Diskussionsthema war die Weitergabe und Nutzung digitaler Gebäudemodelle zwischen den Projektbeteiligten.

Aus der Praxis wurde berichtet, dass die Weiterverwendung von Modellen häufig an unterschiedlichen Anforderungen, Softwarelösungen oder Detaillierungsgraden scheitert. Insbesondere die Übergänge zwischen Planung, Ausführung und Betrieb stellen viele Beteiligte weiterhin vor Herausforderungen.

Als gemeinsamer Nenner haben die Teilnehmenden die Bedeutung von OpenBIM und IFC hervorgehoben. Das offene Austauschformat bleibt für viele Unternehmen die wichtigste Grundlage einer softwareunabhängigen Zusammenarbeit.

Preisbildung bleibt eine zentrale Herausforderung

Den Schwerpunkt der Austauschrunde bildete die Diskussion über Preisbildung und Angebotslegung bei BIM-Projekten.

Viele berichteten, dass zum Zeitpunkt der Angebotslegung häufig nur unvollständige Informationen vorliegen. Auftraggebende formulieren oftmals den Wunsch nach „BIM“, ohne die tatsächlich benötigten Leistungen ausreichend zu definieren.

Dabei wurde deutlich, dass die eigentlichen BIM-Kosten meist nicht durch die Modellierung selbst entstehen, sondern durch zusätzliche Leistungen wie Modellprüfungen, Qualitätssicherung, Datenmanagement, laufende Modellpflege und nicht zuletzt durch Abstimmungen mit BIM-Koordination und BIM-Management.

Die Diskussion zeigte, dass eine transparente Darstellung zusätzlicher BIM-Leistungen sowohl für Auftraggebende als auch für Auftragnehmende zu mehr Klarheit führen kann.

Gemeinsame BIM-Checkliste als möglicher Lösungsansatz

Als möglicher Lösungsansatz entstand die Idee, eine praxisnahe BIM-Checkliste für Ausschreibungen und Angebotslegungen zu erarbeiten. Sie soll helfen, zentrale Anforderungen bereits vor Projektbeginn klar festzulegen und damit die Grundlage für eine nachvollziehbare Kalkulation zu schaffen.

Zu klären wären beispielsweise,

  • welche BIM-Anwendungsfälle tatsächlich benötigt werden
  • welche Daten und Informationsstände gefordert sind
  • wer das Modell während der Ausführung betreut
  • welche Übergabeformate erforderlich sind
  • welche Leistungen zusätzlichen Aufwand verursachen

Die Teilnehmer sahen darin eine Möglichkeit, Missverständnisse zu reduzieren und die Transparenz bei der Preisbildung zu erhöhen.

Erfahrungsaustausch als wichtiger Erfolgsfaktor

Ein weiterer Outcome der Gruppe war der Wunsch nach einem intensiveren Wissens- und Erfahrungsaustausch innerhalb der Branche.

Diskutiert wurden unter anderem:

  • Erfahrungen mit Schulungsanbietern
  • Good Practices aus Projekten
  • BIM-Content und Bibliotheken
  • Erfahrungen mit Software-Erweiterungen

Nächste Schritte im Cluster & Fazit

Aus den Diskussionen wurden folgende nächste Schritte abgeleitet:

  • Aufsetzen einer digitalen Plattform durch den Cluster – zum Erfahrungsaustausch zwischen den Präsenzrunden 
  • Aufsetzen des Projekts „Entwicklung einer praxisnahen BIM-Checkliste“ 
  • Fortführung des BIM-Erfahrungsaustauschs in regelmäßigen Abständen

Das Treffen zeigte einmal mehr, dass viele Unternehmen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass ein strukturierter Erfahrungsaustausch und die gemeinsame Entwicklung praxisnaher Hilfsmittel einen wichtigen Beitrag leisten können, um BIM-Prozesse künftig effizienter, transparenter und wirtschaftlicher zu gestalten.

Interesse an einem Erfahrungsaustausch „TGA meets BIM“ oder „TGA meets KI“?

Sie haben als TGA-Fachperson Erfahrung mit digitalen Gebäudemodellen, digitalem Datenaustausch, BIM-Koordination und/oder nutzen bereits KI als Planungsunterstützung in Ihrem Unternehmen und möchten sich persönlich mit Branchenkollegen in oben beschriebener Runde austauschen? 

Ein weiteres Treffen steht bereits fest. Melden Sie sich bei Cluster-Projektmanager Michael Ecker. 

Ihr Kontakt für weitere Rückfragen:

Michael Ecker