Junger Mann mit dem Handy
westend 61/Uwe Umstätter
1. April 2026

TGA meets BIM: Praxis, Herausforderungen und Lösungen im Cluster-Netzwerk

Wie werden digitale Arbeitsweisen in der technischen Gebäudeplanung angewandt? Der ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster NÖ lud Praktiker zu einem Erfahrungsaustausch.

Der ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster NÖ startete bereits vor mehr als 10 Jahren mit auf die Bedarfe von Unternehmen abgestimmten Qualifizierungen zu „Building Information Modeling“ (BIM). Die aktuelle Wahrnehmung hinsichtlich des Erfolgs und der Verbreitung von BIM in der Praxis ist in der Wirtschaft sehr ambivalent.

Auf Initiative eines Clusterpartners aus dem Bereich TGA-Planung lud der Cluster im März 2026 Anwender von planenden Unternehmen aus dem Bereich der technischen Gebäudeausrüstung zum offenen Austausch. Mit dabei waren Manager und Projektleiter von fünf HKLS&E-planenden und -ausführenden großen und kleinen Unternehmen sowie zwei BIM-Experten.

Nutzen und Herausforderungen

In der Diskussion wurden Nutzen und Herausforderungen für Unternehmen beleuchtet.

Zu den wichtigsten Vorteilen zählen die klassischen „PRO-Argumente“ für BIM:

  • bessere Informationen im frühen Planungsstadium,
  • 3D-Visualisierung und
  • Kollisionsprüfung.
  • Planungsbüros, die „BIM können“ sind sowohl als Auftragnehmer als auch als Arbeitgeber attraktiv.

Selbst angesichts der wesentlichen Herausforderungen herrscht bei den Teilnehmenden Einigkeit:

  • Häufig fehlen klare Vorgaben seitens der Auftraggebenden zur Nutzung von BIM oder bestehende Vorgaben werden nicht beachtet.
  • Das Schnittstellen-Problem für den Daten- und Informationsaustausch zwischen den zahlreichen Softwareprogrammen ist nach wie vor meist nicht zufriedenstellend gelöst.
  • Auch die hohen und schwer zu kalkulierenden Kosten für Ausbildung und Softwarelizenzen stellen ein Hemmnis dar.
  • Unbefriedigend ist auch die Tatsache, dass die Planenden zu Beginn oft unzureichende Grundlagendaten zur Weiterbearbeitung bekommen und am Projektende die zukünftigen Betreiber übergebene Daten nicht nutzen können oder wollen.

Good Practises: Tucherpark München & Haus der Physik Innsbruck

BIM-Experte Mathias Frischauf von SIDE - Studio for Information Design GmbH ging auf das „Haus der Physik" in Innsbruck als Best Practice Beispiel ein. Als Referenz für übergeordnete Anforderungsdokumente zeigte er ergänzend den „Tucherpark" in München, wo SIDE auftraggeberseitig als BIM Manager engagiert ist.

Beim Haus der Physik ist SIDE als BIM-Gesamtkoordinator (BGK) Teil des Generalplanerteams und somit auftragnehmer­seitig eingebunden. Von Beginn an gab es klare BIM-Vorgaben sowie die erforderliche organisatorische Unterstützung durch digitale Plattformen für die Zusammenarbeit. Der BIM-Abwicklungsplan wurde dabei als lebendes Dokument fortlaufend gemeinsam weiterentwickelt. So waren die fachlichen und gewerkeübergreifenden Modellprüfungen sowie mehrfache As-Built-Abgleiche mittels Punktwolken eine tatsächlich wirksame Qualitätssicherung für Planung und Ausführung — und kein Selbstzweck. Die Verantwortung für das konsistente As-Built-Modell zum Projektabschluss lag klar bei den Planenden.

„Asset Administration Shell“ als Unterstützungstool?

Zum Schluss seines Inputs zeigt Matthias Frischauf mit „Asset Administration Shell“ (AAS) einen möglichen Entwicklungspfad auf. Der Gedanke stammt aus Industrie 4.0 und zielt darauf ab, jedem physischen Asset ein standardisiertes digitales Gegenstück mit maschinenlesbaren Informationen zuzuordnen. Der Nutzen für die TGA-Praxis wäre, Produktinformationen nicht mehr in voller Tiefe händisch in Modellparameter zu schreiben, sondern mit dem AAS-Standard zu verlinken. Das würde den Eingabeaufwand in Planung und Errichtung reduzieren und den Übergang in den Betrieb verbessern.

Was hilft den Unternehmen konkret weiter?

In der Austauschrunde fragten wir die Unternehmensvertreter: Was würde ihnen in Zukunft praktisch weiterhelfen? Welche konkrete Unterstützung benötigen sie?

Die Antworten:

  • Regelmäßiger Erfahrungsaustausch zu Software, Kollisionsprüfung, Workflows und realen Usecases unter den modellierenden Fachpersonen
  • Qualifizierung nicht nur der Planenden, sondern auch der Auftraggebenden um die „BIM-Bestellerqualität“ zu erhöhen
  • Aufbau eines Good-Practice-Modellierungs-Modells (in verschieden nativen Formaten und IFC) und regelmäßiger Austausch dazu

Ein Resümee war: Standards allein reichen nicht. Entscheidend ist, dass sich Projektbeteiligte mit realen Daten zu wiederkehrenden Herausforderungen austauschen und gemeinsam praktikable Lösungen finden.

Nächste Schritte im Cluster

Abgeleitet von diesem Bedarf aus der Wirtschaft wird das Team des ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster NÖ …

  • weitere Erfahrungsaustauschrunden im Sinne eines „BIM-Forums“ in regelmäßigen Abständen anbieten.
  • ebenso zu „KI“ einen Erfahrungsaustausch organisieren.
  • in weiterer Folge eine spezifische kooperative Qualifizierung zu einem gemeinsamen Themenbereich in einem förderfähigen Format konzipieren.

Interesse an einem Erfahrungsaustausch „TGA meets BIM“ oder „TGA meets KI“?

Sie haben als TGA-Fachperson Erfahrung mit digitalen Gebäudemodellen, digitalem Datenaustausch, BIM-Koordination und/oder nutzen bereits KI als Planungsunterstützung in Ihrem Unternehmen und möchten sich persönlich mit Branchenkollegen austauschen? Melden Sie sich bei Cluster-Projektmanager Michael Ecker. 

Ihr Kontakt für weitere Rückfragen:

Michael Ecker