Demografie
Chancen für Niederösterreich

Arbeits- und Freizeitwelten im demografischen Wandel

Fragen des demografischen Wandels sind in den letzten Jahren zunehmend ins Bewusstsein der Menschen gerückt, sie gehen in die wirtschaftspolitische Tagesdiskussion ein und erfordern intensive Bearbeitung im Zuge konkreter Projekte und Umsetzungsmaßnahmen. Als Wirtschaftsagentur und Regionalförderstelle des Landes möchten wir diese Initiativen in den nächsten Jahren verstärken und im Netzwerk mit externen Institutionen und Partnern wie Fachabteilungen, Tourismusdestinationen oder LEADER-Regionen maßgeschneiderte Unterstützungsangebote zur Verfügung stellen. 

Unser Service

Neben Einzelprojektförderungen planen wir die Vermittlung von Beratungs-, Coaching- oder Schulungsmaßnahmen sowie den verstärkten Austausch von Know-how und Best-Practice-Beispielen zu Themen wie Fachkräfteausbildung, Wohnen im Alter, Betriebsnachfolge im Tourismus oder Barrierefreiheit.

Ziel ist, die Erfahrungen möglichst vielen Menschen zugute kommen zu lassen.

So vielfältig die Fragestellungen des demografischen Wandels sind, so breit gefächert wollen wir darauf eingehen und Antworten liefern. 

Aktuelle Zahl

Entspricht der prognostizierten Lebenserwartung von Frauen in Österreich im Jahr 2030. Die Lebenserwartung in 35 Industriestaaten dürfte bis 2030 generell weiter steigen. Auch in Österreich wird es einen Zuwachs geben - auf 81,4 Jahre bei Männern und 86,2 Jahren bei Frauen.
Quelle: Fachzeitschrift "The Lancet"

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in der Fachzeitschrift „The Lancet“. Was das für unsere Gesellschaft und insbesondere das Gesundheitssystem bedeuten wird, beleuchtet Dr. Fent in seinem Artikel.

 

Demografie bedeutet für mich ...

Wir haben Persönlichkeiten aus Wirtschaft, öffentlichem Dienst und LEADER Regionen befragt, was Sie unter Demografie verstehen. Die spannendsten Zitate haben wir hier für Sie zusammengefasst.

... die Reaktion der Bevölkerung auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends. Jede ökonomische Transformation – von der Agrargesellschaft über die Industriegesellschaft und Dienstleistungsgesellschaft zur Informationsgesellschaft – bewirkt und bedingt gesellschaftliche Veränderungen. Diese Transformationen beeinflussen auch unser demografisches Verhalten. Deshalb verstehe ich den demografischen Wandel als Abbild der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche.
DI Dr. Thomas Fent, Demografie Institut, ÖAW
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... steigende Lebenserwartung, zurückgehende Geburtenzahlen und die Folgen der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen in unseren Regionen bewirken eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur, aus der völlig verschiedene Problemstellungen entstehen. Über diese Entwicklungen Bescheid zu wissen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, halte ich für eine ganz wichtige kommunale Aufgabe. Mit dem Demografie-Check haben wir einen ersten Schritt gesetzt.
Bgm. Ök.-Rat Anton Gonaus, LEADER-Region Mostviertel Mitte
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... eine Veränderung unserer Gästestruktur. Damit verbunden werden wir in Zukunft auch vor der Herausforderung geänderter Gästebedürfnisse stehen. Hier geht es insbesondere auch um die Entwicklung einer lückenlosen Dienstleistungskette. Dies betrifft sowohl die Entwicklung neuer Produkte als auch die Wahl entsprechender Kommunikations- und Vertriebswege, die Weiterentwicklung eigener Medien und schlussendlich die Entwicklung der Leistungen vor Ort.
Mag. Bernhard Schröder, Donau-NÖ Tourismus GmbH
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... im Hinblick auf den Tourismus eine riesige Chance und Handlungsbedarf zugleich. Nur wer sich mit diesem Thema aktiv und interessiert auseinandersetzt, wird die Chancen dahinter erkennen und als unternehmerischen Wettbewerbsvorteil nutzen können. Verantwortungsvolle Unternehmer lassen so einen Trend daher nicht einfach „passieren" sondern „nutzen ihn aktiv"!
Mag. Arnold Oberacher, GF, con.os tourismus.consulting gmbh
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... Wandel ist immer voller Chancen, die auftauchen, wenn man Kundenbedürfnisse im Auge behält. Durch gutes Service Design rücken diese Bedürfnisse ins Zentrum der Wahrnehmung. Dann entstehen Lösungen mit der richtigen Information, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. In unserem Fall Informationslösungen im Naturraum-, Ortsraum und in Gebäuden.
Mag. Christian Lunger, motasdesign Lunger & Schreiber OG
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Erkenntnisse aus der Praxis

Wie geht's Alter? Danke gut meine Teure


Können wir uns unsere Gesundheit in einer alternden Gesellschaft noch leisten? Ist es sinnvoll immer mehr in unsere Gesundheit zu investieren oder wären wir besser dran, würden wir mehr in andere Sektoren umschichten?

 

Etwa 47 Prozent der jährlichen Gesundheitsausgaben entfallen auf die Altersgruppe 65+, ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt aber nur 18 Prozent. Pro Kopf wenden wir für eine Person zwischen 65 und 70 etwa das Vierfache von dem auf wie für eine Person zwischen 10 und 15 – das ist die Altersgruppe mit den niedrigsten Gesundheitsausgaben – für eine Person zwischen 85 und 89 ist es das Elffache.
Steigt der Anteil der Älteren, so steigen erwartungsgemäß auch die Gesundheitsausgaben. Bis 2030 werden voraussichtlich 23 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein, bis 2040 sind es 26 Prozent und bis 2050 bereits 27 Prozent. Es ist zwar nicht das Alter an sich, das die Kosten verursacht, sondern die Morbidität, d.h. die Nähe zum Tod, und damit indirekt das Alter. Verstärkend kommt hinzu, dass sich die pharmazeutische Forschung an den Babyboomern und damit zunehmend an den älteren Jahrgängen orientiert.

Ausgaben für die Gesundheit kommen unmittelbar der Wirtschaft zugute und schlagen sich auch im BIP nieder. Sie verursachen also nicht nur Kosten sondern tragen auch zu unserem Wohlstand bei. Sind die Gesundheitsausgaben die Ursache unseres Wohlstands oder ermöglicht erst ein hohes BIP die hohen Ausgaben? Langfristig haben sich der materielle Wohlstand und die Gesundheit im Gleichklang verbessert.

Zum vollständigen Artikel von DI Dr. Thomas Fent "Wie geht's Alter? Danke gut meine Teure" (.pdf)

Weiterführendes zum Thema

In den vergangenen zwei Jahren haben sich elf LEADER-Regionen intensiv mit Themen wie Wanderungstendenzen, Arbeitskräftepotenzial, Standortattraktivität und Betriebsnachfolge auseinandergesetzt.

In enger Kooperation zwischen Regionsvertretern, externen Demografie-Experten und Betrieben wurden konkrete Daten und Fakten aufgearbeitet und wichtige Ansatzpunkte für die individuelle Weiterentwicklung der Regionen gefunden.

Die Ansätze sind vielfältig und werden in unterschiedlicher Weise in zukünftige Projekte einfließen. Nutzen Sie die Chance und holen Sie sich interessante Anregungen und Vorschläge aus Niederösterreichs Regionen!

DI Dr. Thomas Fent, Vienna Institute for Demography/ÖAW:

 
Ing. Alfred Luger, Bildungs- und Heimatwerk NÖ (BHW)

Mag. Bernhard Schröder, Donau Niederösterreich Tourismus GmbH

  • Interview (.pdf) mit Destinations-Geschäftsführer Mag. Bernhard Schröder, Donau Niederösterreich Tourismus GmbH
     

Marcus Linford, MA MITHM, con.os tourismus consulting gmbh:

Mag. Nina Sillipp und Josef Wallenberger, Wallenberger & Linhard Regionalberatung GmbH):

ecoplus, Niederösterreichs Wirtschaftsagentur, Niederösterreich Werbung und Firma conos

 

Literaturtipps

  • "Ageing Society. Altern in der Stadt: Aktuelle Trends und ihre Bedeutung für die strategische Stadtentwicklung“, Edeltraud Hanappi-Egger, Peter Schnedlitz, Facultas Verlag, 770 Seiten, 2009, ISBN 978-3-7089-0357-6
  • "Unternehmensnachfolge im Tourismus - Grundlagen, Rahmenbedingungen, Modelle",
 Mag. Dr. Martin Schumacher MET, Mag. (FH) Manuela Wiesinger, Linde Verlag, 184 Seiten, 2014, ISBN 987-3-7073-3014-4
  • "Die Alterung der Gesellschaft: Ursachen und Folgen des demografischen Umbruchs", 
Peter Schimany, Campus Verlag; 521 Seiten, 2003, ISBN: 978-3-5933-724-64
  • "ÖSTERREICH, Zahlen. Daten. Fakten": Herausgeber Statistik Austria, 76 Seiten, 2015 (10. Auflage), ISBN 978-3-902925-58-9
  • "Weniger, bunter, älter: Den demografischen Wandel aktiv gestalten",
 Winfried Köster, OLZOG Verlag, 272 Seiten, 2011, ISBN 378-9-3-8359-2
  • "Das Methusalem-Komplott" Frank Schirrmacher Karl Blessing Verlag, 224 Seiten, München 2004, ISBN: 3-896-67225-8