Demografie
Chancen für Niederösterreich

Arbeits- und Freizeitwelten im demografischen Wandel

Fragen des demografischen Wandels sind in den letzten Jahren zunehmend ins Bewusstsein der Menschen gerückt, sie gehen in die wirtschaftspolitische Tagesdiskussion ein und erfordern intensive Bearbeitung im Zuge konkreter Projekte und Umsetzungsmaßnahmen. Als Wirtschaftsagentur und Regionalförderstelle des Landes möchten wir diese Initiativen in den nächsten Jahren verstärken und im Netzwerk mit externen Institutionen und Partnern wie Fachabteilungen, Tourismusdestinationen oder LEADER-Regionen maßgeschneiderte Unterstützungsangebote zur Verfügung stellen. 

Unser Service

Neben Einzelprojektförderungen planen wir die Vermittlung von Beratungs-, Coaching- oder Schulungsmaßnahmen sowie den verstärkten Austausch von Know-how und Best-Practice-Beispielen zu Themen wie Fachkräfteausbildung, Wohnen im Alter, Betriebsnachfolge im Tourismus oder Barrierefreiheit.

Ziel ist, die Erfahrungen möglichst vielen Menschen zugute kommen zu lassen.

So vielfältig die Fragestellungen des demografischen Wandels sind, so breit gefächert wollen wir darauf eingehen und Antworten liefern. 

Aktuelle Zahl

...Anzahl der aktuell fehlenden Fachkräfte in Österreich. Das ibw (Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft) hat im Auftrag der WKÖ Betriebe befragt und rund 4.500 Antworten ausgewertet. Bereits drei von vier heimischen Betrieben leiden unter starkem Fachkräftemangel - Tendenz steigend.
Quelle: ibw-Forschungsbericht im Auftrag der WKÖ, Wien (2018)

Interview mit Andreas Hanger, LEADER-Region Eisenstraße Niederösterreich

"Die im Rahmen des Demographie-Checks Eisenstraße durchgeführten Prognosen haben aufgezeigt, wo der Schuh dückt und sensibilierten uns für das Thema des Demografischen Wandels im Mostviertel."
Abg.z.NR Andreas Hanger, Obmann der LEADER Region Eisenstraße Niederösterreich
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Die Region Eisenstraße beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren mit Fragen des Demografischen Wandels – aus welchen Überlegungen heraus?

Der Auslöser war der Demographiecheck, den wir auf Anregung der ecoplus in der vergangenen LEADER-Förderperiode umgesetzt haben. Hier zeigte sich, dass unsere Region in zwei Bereichen Aufholbedarf hat: Wir müssen Fachkräfte in der Region halten, um den Bedarf unserer Betriebe an qualifiziertem Personal abdecken zu können. Und wir müssen den Kontakt zu jenen jungen Menschen aufrechterhalten, die für Job oder Ausbildung unsere ländlich geprägte Region temporär verlassen. Diese Trends waren uns natürlich auch schon vorher bekannt, aber der Demographiecheck drückte diese Entwicklungen in Zahlen und Fakten aus. Und so entstand erst ein konkretes Problembewusstsein.

Was sind dabei die wichtigsten Fragestellungen und Herausforderungen?

Die größte Herausforderung und zugleich die spannendste Aufgabe ist es, einen Schulterschluss zwischen Gemeinden und Betrieben zu schaffen. Denn für gewöhnlich agieren Gemeinden für sich, um Bewohner zu halten und zu binden – und Unternehmen arbeiten für sich, um Personal zu rekrutieren. Diese beiden Sphären zu verbinden, die Akteure zusammenzubringen, ist der Schlüssel zum Erfolg, um dem demografischen Wandel in Regionen proaktiv begegnen zu können. Davon sind wir überzeugt und das zeigt sich auch in unserer täglichen Arbeit.

Welche konkreten Umsetzungsprojekte werden in der Region derzeit bearbeitet?

Wir versuchen aktuell, „Kundenbindungsprogramme“, wie sie bei Unternehmen alltäglich sind, auf Regionen umzumünzen. Unter dem Titel „Get the Most. Heimkommen und ankommen“ bauen wir ein „Bindungsprogramm“ für junge Bürger auf. Dabei organisieren wir Stammtische z.B. in Wien, die enorm gut angenommen werden. Die Studierenden schätzen es, dass sich ihre Herkunftsregion für sie interessiert. Auch im Bereich Fachkräftesicherung versuchen wir, Akzente zu setzen. Ein Vorzeigeprojekt ist hier der Verein „Mein Lehrbetrieb“, der über 60 Lehrbetriebe untereinander vernetzt. Unser größtes Projekt zum Thema ist die Entwicklung des Zukunfts-Campus in Waidhofen an der Ybbs. Bei allen Initiativen ist LEADER ein wichtiger Startimpuls - und das Land Niederösterreich ein zentraler und verlässlicher Partner.

Demografie bedeutet für mich ...

Wir haben Persönlichkeiten aus Wirtschaft, öffentlichem Dienst und LEADER Regionen befragt, was Sie unter Demografie verstehen. Die spannendsten Zitate haben wir hier für Sie zusammengefasst.

"... die Reaktion der Bevölkerung auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends. Jede ökonomische Transformation – von der Agrargesellschaft über die Industriegesellschaft und Dienstleistungsgesellschaft zur Informationsgesellschaft – bewirkt und bedingt gesellschaftliche Veränderungen. Diese Transformationen beeinflussen auch unser demografisches Verhalten. Deshalb verstehe ich den demografischen Wandel als Abbild der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche."
Thomas Fent, Demografie Institut, ÖAW
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"... steigende Lebenserwartung, zurückgehende Geburtenzahlen und die Folgen der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen in unseren Regionen bewirken eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur, aus der völlig verschiedene Problemstellungen entstehen. Über diese Entwicklungen Bescheid zu wissen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, halte ich für eine ganz wichtige kommunale Aufgabe. Mit dem Demografie-Check haben wir einen ersten Schritt gesetzt."
Bgm. Ök.-Rat Anton Gonaus, LEADER-Region Mostviertel Mitte
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"... eine Veränderung unserer Gästestruktur. Damit verbunden werden wir in Zukunft auch vor der Herausforderung geänderter Gästebedürfnisse stehen. Hier geht es insbesondere auch um die Entwicklung einer lückenlosen Dienstleistungskette. Dies betrifft sowohl die Entwicklung neuer Produkte als auch die Wahl entsprechender Kommunikations- und Vertriebswege, die Weiterentwicklung eigener Medien und schlussendlich die Entwicklung der Leistungen vor Ort."
Bernhard Schröder, Donau-NÖ Tourismus GmbH
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"... im Hinblick auf den Tourismus eine riesige Chance und Handlungsbedarf zugleich. Nur wer sich mit diesem Thema aktiv und interessiert auseinandersetzt, wird die Chancen dahinter erkennen und als unternehmerischen Wettbewerbsvorteil nutzen können. Verantwortungsvolle Unternehmer lassen so einen Trend daher nicht einfach „passieren" sondern „nutzen ihn aktiv"!"
Arnold Oberacher, GF, con.os tourismus.consulting gmbh
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"... Wandel ist immer voller Chancen, die auftauchen, wenn man Kundenbedürfnisse im Auge behält. Durch gutes Service Design rücken diese Bedürfnisse ins Zentrum der Wahrnehmung. Dann entstehen Lösungen mit der richtigen Information, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. In unserem Fall Informationslösungen im Naturraum-, Ortsraum und in Gebäuden."
Christian Lunger, motasdesign Lunger & Schreiber OG
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Interview mit Rainer Mattejka, Perlmuttmanufaktur

"Als Gewinner des Fördercalls profitieren wir – die einzige Perlmuttmanufaktur Österreichs in Felling im Waldviertel – enorm von der Ausrichtung auf möglichst viele Zielgruppen und passen unser Angebot auch laufend an tschechische Gäste an."
Rainer Mattejka, Geschäftsführer Perlumutmanufaktur
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Sie haben am Fördercall „Tourismus und demografischer Wandel“ teilgenommen und wurden als eines der 12 Siegerprojekte von der Jury ausgewählt. Welche konkreten Maßnahmen haben Sie bisher umgesetzt?

Wir sind gerade mitten in der Umsetzung. Begonnen haben wir mit dem barrierefreien Eingang, weiters wurde der Shop so gestaltet, dass man diesen jetzt ohne Probleme mit Rollstuhl oder Kleinkindern besuchen kann. Bei den neuen Toiletten wurde auch gleich eine rollstuhlgerechte WC Anlage errichtet. Der neue Außenbereich, mit erweitertem Spielplatz für Kinder, mit einem Selfiepoint, mit einem Ruheberreich, mit einer großen Terrasse, wo man auch gemütlich Getränke oder einen Kaffee genießen kann, lädt zum Verweilen in der „Erlebnis Perlmutt Manufaktur“ ein. Die Gestaltung des behindertengerechten Parkplatzes, die Übersetzung der Drucksorten und des Filmes in die tschechische Sprache sowie die Erneuerung des Leitsystems werden im Winter noch umgesetzt.

In den zukünftigen Angeboten der Perlmutt-Manufaktur wird das Thema demografischer Wandel einen höheren Stellenwert als bisher einnehmen. Aus welchen Überlegungen heraus?

Als attraktives und zukunftsorientiertes Ausflugsziel wollen wir die Zielgruppen, Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Familien mit Kleinkindern, sowie ältere Personen, verstärkt ansprechen und Ihnen damit einen Besuch ohne Einschränkungen im Innen- und Außenbereich ermöglichen.

Weiterführendes zum Thema

In den vergangenen Jahren haben sich elf LEADER-Regionen intensiv mit Themen wie Wanderungstendenzen, Arbeitskräftepotenzial, Standortattraktivität und Betriebsnachfolge auseinandergesetzt.

In enger Kooperation zwischen Regionsvertretern, externen Demografie-Experten und Betrieben wurden konkrete Daten und Fakten aufgearbeitet und wichtige Ansatzpunkte für die individuelle Weiterentwicklung der Regionen gefunden.

Die Ansätze sind vielfältig und werden in unterschiedlicher Weise in zukünftige Projekte einfließen. Nutzen Sie die Chance und holen Sie sich interessante Anregungen und Vorschläge aus Niederösterreichs Regionen!

Thomas Fent, Vienna Institute for Demography/ÖAW:


Reinhard Kittenberger, Kittenberger Erlebnisgärten

Alfred Luger, Bildungs- und Heimatwerk NÖ (BHW)

Bernhard Schröder, Donau Niederösterreich Tourismus GmbH

  • Interview (.pdf) mit Destinations-Geschäftsführer Mag. Bernhard Schröder, Donau Niederösterreich Tourismus GmbH
     

Marcus Linford, con.os tourismus consulting gmbh:

Nina Sillipp und Josef Wallenberger, Wallenberger & Linhard Regionalberatung GmbH):

ecoplus, Niederösterreichs Wirtschaftsagentur, Niederösterreich Werbung und Firma conos

 

Literaturtipps

  • "Ageing Society. Altern in der Stadt: Aktuelle Trends und ihre Bedeutung für die strategische Stadtentwicklung“, Edeltraud Hanappi-Egger, Peter Schnedlitz, Facultas Verlag, 770 Seiten, 2009, ISBN 978-3-7089-0357-6
  • "Unternehmensnachfolge im Tourismus - Grundlagen, Rahmenbedingungen, Modelle",
 Mag. Dr. Martin Schumacher MET, Mag. (FH) Manuela Wiesinger, Linde Verlag, 184 Seiten, 2014, ISBN 987-3-7073-3014-4
  • "Die Alterung der Gesellschaft: Ursachen und Folgen des demografischen Umbruchs", 
Peter Schimany, Campus Verlag; 521 Seiten, 2003, ISBN: 978-3-5933-724-64
  • "ÖSTERREICH, Zahlen. Daten. Fakten": Herausgeber Statistik Austria, 143 Seiten, 2017 (12. Auflage), ISBN 978-3-903106-28-4
  • "Weniger, bunter, älter: Den demografischen Wandel aktiv gestalten",
 Winfried Köster, OLZOG Verlag, 272 Seiten, 2011, ISBN 378-9-3-8359-2
  • "Das Methusalem-Komplott" Frank Schirrmacher Karl Blessing Verlag, 224 Seiten, München 2004, ISBN: 3-896-67225-8