VARIO-BAU Grundrissplanung am Tablet

Digital erfolgreich – Clusterpartner Daniel Gruber/VARIO-BAU im Interview

Portraitfoto Daniel Gruber

Clusterpartner VARIO-BAU Fertighaus GesmbH setzt bereits seit vielen Jahren auf digitale Tools in Vertrieb, Planung und Produktion. Als Familienbetrieb in 2. Generation produziert das Unternehmen individuelle Fertighäuser in Wr. Neustadt. Daniel Gruber ist Prokurist und Digitalisierungs-Verantwortlicher im Unternehmen. Er erzählt im Interview mit Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich Projektmanagerin Vera Weiß über ihre Digitalisierungs-Aktivitäten und den Weg dorthin.

 

 

„Der Austausch mit Branchen-KollegInnen hilft eindeutig beim Blick auf das eigene Unternehmen.“

 

Vera Weiß: Die Baubranche gehört zu den Branchen mit einem eher niedrigen Digitalisierungsgrad. Mit dem kooperativen Cluster-Projekt "DiTecBau" boten wir 2017 Unternehmen eine Unterstützung an, damit sie Prozesse im eigenen Betrieb identifizieren, die es wert sind, digitalisiert zu werden. Und um ihre eigenen Digitalisierungsstrategien zu erarbeiten. Du warst mit VARIO-BAU Fertighaus GmbH als eines von 8 Unternehmen beim Pilotprojekt dabei. Was war deine Motivation mitzumachen?

 
Daniel Gruber: Der Austausch mit anderen Personen, welche in einer vergleichbaren oder gleichen Branche arbeiten, hilft eindeutig beim Öffnen der Augen und den Blick auf das eigene Unternehmen. Prozesse werden dabei hinterfragt und man entkommt ein wenig der „Betriebsblindheit“. Kooperationsprojekte wie der Cluster sie umsetzt, sind dabei sehr hilfreich: alle Beteiligten profitieren von den gegenseitigen Einblicken und dem Erfahrungsaustausch.

 

Mit vorgelagerter Online-Bemusterung kann die notwendige analoge Bemusterung effizienter gestaltet werden.

 

Vera Weiß: Welche usecases hast du für dein Unternehmen identifizieren können?

 
Daniel Gruber: Wir haben uns dazu entschlossen, das Thema der „Online-Bemusterung“ effizienter zu gestalten. Unsere Bauherren bekommen dazu die Möglichkeit, vor der realen, persönlichen Bemusterung in unserem Bemusterungszentrum in Wiener Neustadt bereits Design & Ausstattung etwas näher anzusehen und die Fassadenfarbe mit der Farbe der Dachdeckung und der Spenglerarbeiten sowie der Fensterfarbe abzustimmen. In diesem Konfigurator können dann verfügbare Produkte und Farben am Haus visualisiert werden. Dasselbe gibt es auch für den Innenraum, wo unterschiedliche Türen und Bodenbeläge in einem Zimmer visualisiert werden. Damit können sich die Bauherren mehr Zeit lassen und kommen besser informiert und besser vorbereitet zur persönlichen Bemusterung.

 
Vera Weiß: Was habt ihr davon umgesetzt? Was hat das Projekt für euch gebracht?

 
Daniel Gruber: Mit unserer Online-Bemusterung sind wir aktuell in der Testphase. Die langjährige Erfahrung in der analogen Bemusterung wollen wir auch bestmöglich in der Online-Bemusterung einbringen. Wir sind uns auch bewusst, dass die Online-Bemusterung in fast keinem Fall die reale Bemusterung ersetzen wird, sondern als Zusatzdienstleistung in Anspruch genommen werden kann, wovon besonders unsere Bauherren profitieren. Sie erhalten vorab mehr Informationen zu den verfügbaren Varianten und Produkten, sind besser vorbereitet und die verfügbare – natürlich immer begrenzte – Zeit im Rahmen der persönlichen Bemusterung kann optimal für Abklärungen genutzt werden, die nicht automatisiert und online erfolgen können.

 

Mit VR-Hausplanung, online-Kostenschätzung, virtuellem Musterhauspark und Live-Chat zum Vario-Haus

 

Vera Weiß: Als Unternehmen habt ihr mittlerweile einen hohen digitalen Reifegrad – wo helfen euch welche digitalen Tools wie?

 
Daniel Gruber: Wir haben insbesondere im Bereich Marketing & Verkauf verstärkt auf die Digitalisierung gesetzt. So bieten wir unseren Webseiten-Nutzerinnen und -Nutzern die Möglichkeit, Ihr Haus selbst online zu planen und gleich in 3D oder VR zu erleben. Auch können Sie parallel dazu eine grobe Kostenschätzung der gesamten Baukosten mit unserem VARIO-HAUS Kalkulator vornehmen um abschätzen zu können, ob das geplante Projekt zum verfügbaren Budget passt. Auch der virtuelle Musterhauspark, bei dem aktuell 10 unserer Musterhäuser virtuell besichtigt werden können, hilft den Bauherren in spe weiter um eine Vorstellung zu bekommen wie groß Räume sind und wie diese optimal eingerichtet werden können. Außerdem dienen die Häuser als Ideengeber – insbesondere wenn man virtuell durch das Haus gehen und es bei Tag und Nacht erleben kann, entstehen viele Ideen wie man sein künftiges Zuhause umgesetzt haben möchte. Auch Tools wie ein Live-Chat für eine direkte, erste Beratung oder eine einfache und schnelle Beantwortung offener Fragen stellen wir unseren Webseitenbesuchern zur Verfügung.

 

Erst den analogen Prozess betrachten, denn: ein schlechter analoger Prozess wird durch Digitalisierung nicht besser.

 

Vera Weiß: Wie wichtig ist das Einbinden der MitarbeiterInnen für die Akzeptanz und den Erfolg, wenn Prozesse/Arbeitsschritte digitalisiert werden?

 
Daniel Gruber: Selbst wenn man glaubt zu wissen, wie die Prozesse im eigenen Unternehmen ablaufen, so ist es trotzdem essentiell jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit zu involvieren, die in diese Prozesse tatsächlich Tag für Tag eingebunden sind. Dabei bemerkt man auch, dass immer wieder dieselben Aufgaben selbst im gleichen Team von den Teammitgliedern unterschiedlich angegangen werden. Bei der Digitalisierung stellen sich dann automatisch die Fragen: Sollen tatsächlich alle Prozesse ident ablaufen? Oder hat eine gewisse Individualität durchaus auch seine Vorzüge? Wichtig ist auf jeden Fall, dass nur sinnvolle und etablierte Prozesse digitalisiert werden. Denn ein schlechter analoger Prozess wird durch Digitalisierung nicht besser.

 

Rasch erste Schritte setzen, sobald Potenziale erkannt werden!

 

Vera Weiß: Welche Empfehlungen würdest du Unternehmen mitgeben, die am Beginn ihrer digitalen Transformation stehen und noch nicht so genau wissen, wo und wie sie anfangen sollen?

 
Daniel Gruber: Zum Einen ist es schon hilfreich zu sehen, wie Andere im selben Geschäftsbereich an die Sache rangehen. Auch der Austausch mit anderen Unternehmen, öffnet die eigenen Augen und bringt Inspiration. Alleine die Unterstützung bei der Betrachtung von Prozessen im Unternehmen durch eine Person, die noch nicht „betriebsblind“ ist, hilft aktiv. Externe Personen bringen wertvolle Außensichten ein und helfen damit beim Hinterfragen des IST-Zustandes. Unter Umständen sind bestimmte Abläufe einfach historisch so gewachsen und wurden nicht kritisch auf deren Sinnhaftigkeit hinterfragt. Dieser „Externe“ kann ein/e Digitalisierungs-Experte/in sein oder einfach nur Vertreter/innen anderer Unternehmen, wie z.B. im Cluster-Projekt DiTecBau. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass rasch erste Schritte und Maßnahmen umgesetzt werden, sobald Potentiale erkannt werden. Die besten Ideen wirken nicht, wenn sie in der Schublade liegen bleiben und „für die Ausführung zu einem späteren Zeitpunkt“ aufbewahrt werden.

 
Vera Weiß: Dankeschön Daniel für deine Einblicke und viel Erfolg bei euren nächsten Digitalisierungs-Vorhaben!

 

 

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Für weitere Informationen zu unseren aktuellen Kooperationsprojekten melden Sie sich direkt bei Clustermanagerin Michaela Smertnig.

 

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DI Michaela Smertnig Cluster & Plattformen Niederösterreich
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